Dankbarkeit ist ein Bumerang guter Gefühle

 

Oft sind es die kleinen, ganz alltäglichen Situationen, die bei mir dieses warme Gefühl der Dankbarkeit auslösen. Ich sitze mit meiner Familie am Tisch, wir essen Suppe, der Kamin knistert, unser Kater Tzatziki (auf dem Foto :-)) liegt zusammengerollt auf der Küchenbank und beobachtet uns aus einem Auge. Dann erzählt unsere Tochter einen schlechten Kinderwitz, kriegt sich selbst nicht mehr ein vor Lachen, sie lacht und lacht bis wir alle lachen, nicht über den Witz, sondern über ihr Lachen, das wie ein Schwall aus ihr perlt und purzelt. In diesen Sekunden breitet sich in meinem Bauch ein Gefühl aus, das mindestens so warm ist wie das Kaminfeuer und die Suppe. Vielleicht streiten wir uns ein paar Minuten schon wieder, über Hausaufgaben oder eine nicht ausgeräumte Spülmaschine. Egal.

Das Gute ist ein Geschenk

Dankbarkeit ist wie ein Teppich, der aus zahlreichen, ganz verschiedenen Fäden gewebt ist. Jeder einzelne fühlt sich an wie Glück, Liebe, Stolz, Euphorie – eine Ansammlung guter Momente und Gefühle. Doch Dankbarkeit ist anders, sie geht noch einen Schritt weiter. Dankbarkeit ist die Webkunst, die aus den Fäden erst einen Teppich macht. Sie kommt nicht von allein, sie ist ein aktiver Prozess, bei dem ich etwas verarbeite, wertschätze und in einen anderen Zustand überführe. Indem ich aktiv feststelle, dass ich all das Gute, das mich umgibt,  mir nicht nur „erarbeitet“ habe, sondern dass es auch ein Geschenk ist, an dem viele mitgewebt haben.

Dankbarkeit klingt gutmenschelnd

Dankbarkeit hatte ja lange Jahre einen eher schlechten Ruf, kam meist zu betulich, erzwungen und gutmenschelnd daher: „Jetzt sei doch mal dankbar!“ oder „Du musst jetzt mal dankbar sein, anderen geht es nicht so gut wie dir!“ Aber so funktioniert Dankbarkeit nicht, sie lässt sich nicht erzwingen oder einklagen. Bei mir war es ein langer Entwicklungsprozess zu erkennen, wie viel Anteil andere Menschen an meinen Leistungen und Erfolgen haben. Ganz deutlich gespürt habe ich das, als ich meinen Job gewechselt habe. Ich hatte beim Kölner Stadt-Anzeiger die Chance, kurz nach meinem Volontariat ein neues Ressort aufzubauen, ein tägliches Magazin, das nach einigen schwierigen Monaten ein großer Erfolg bei den Lesern wurde.

Großzügige Investition in „mein Baby“

Tatsächlich habe ich dieses Produkt gerne als „mein Baby“ bezeichnet, ich habe die Arbeit wirklich sehr geliebt. Als sich nach sieben Jahren schönen Jahren mein Abschied näherte, wurde mir aber auch immer klarer, wie unendlich dankbar ich meinen Kollegen war. Sie haben ihre Begeisterung, ihre Kompetenz, ihre Ideen so großzügig in „mein Baby“ investiert. Ohne dieses tolle Team hätte es sich niemals so prächtig hätte entwickeln können. Die Sache ist klar, das Magazin war „unser Baby“. Heute weiß ich, dass in den meisten Bereichen meines Lebens Teams am Werk sind und dass die Umsetzung guter Ideen meist nur gelingt, wenn diese Teams auch genügend Anerkennung bekommen. In meinem kleinen Ebook „Von der Vision zur Idee“, das du dir kostenlos herunter laden kannst, geht es deshalb auch nicht nur um deine Idee, sondern auch um die Menschen, die dir bei der Umsetzung helfen können.

John Kralik wagt den Dankbarkeit Selbstversuch

Mein letzter Artikel im Magazin des Kölner Stadt-Anzeiger war dann auch ein Text über Dankbarkeit und er war ganz klar meinen Kollegen gewidmet. Ich habe über das Buch „Einfach Danke sagen“ geschrieben, in dem der Autor einen ganz besonderen Selbstversuch beschreibt. John Kralik ging es schlecht: Die Ehe kaputt, seine Anwaltskanzlei kurz vor dem finanziellen Ruin und er selbst Mitte 50, gesundheitlich angeschlagen und sozial verwahrlost. Von dem Wunsch getrieben, endlich wieder etwas Licht in sein Leben zu bringen, startet Kralik ein Projekt. Ein Jahr lang will er täglich eine Dankeskarte schreiben. Die erste geht an seinen Sohn, in der er sich für ein Weihnachtsgeschenk bedankt. Als er den Briefumschlag beschriften will, fällt ihm auf, dass er dessen neue Adresse gar nicht kennt. Aufgerüttelt davon setzt er seinen Selbstversuch fort. Er dankt seiner Exfrau für die Ausrichtung eines gelungenen Kindergeburtstags, der Bedienung im Starbucks-Café, dass sie sich an seinen Vornamen erinnert und seiner Friseurin für einen gelungenen Haarschnitt.

Die täglichen Karten verändern sein Leben. Ihm fällt auf, wie viele dankenswerte Erlebnisse sein Alltag birgt, die er bislang einfach nicht wahrgenommen hat. Gleichzeitig erfährt er eine Art sozialer Rückkopplung: Auch die Menschen um ihn herum werden aufmerksamer, freundlicher. Diese Erfahrungen hat Kralik am Ende des Jahres in dem Buch „Einfach Danke sagen“ (Ludwig Verlag) aufgeschrieben.

Experiment in Sachen Dankbarkeit

Auch die Uni Zürich hat sich der Dankbarkeit einmal in einem interessanten Experiment angenommen. In einem Versuch wurden Erwachsene in Sachen Charakterstärke regelrecht trainiert. Neben Freundlichkeit und Optimismus war auch Dankbarkeit eine der „Disziplinen“. Und die kam nicht nur den Mitmenschen zu Gute. „Wer die Stärken trainiert hatte, berichtete von gesteigertem Wohlbefinden“, stellte der Psychologie-Professor Willibald Ruch fest.

Auch wenn sich Dankbarkeit nicht erzwingen lässt, kann man sich offenbar trotzdem darin üben: Den Blick stärker auf die positiven Seiten des Lebens richten und den Anteil unserer Mitmenschen daran wertschätzen. Warum eigentlich nicht. Wir trainieren schließlich alles Mögliche, von Bauchmuskeln, über Englischvokabeln bis hin zum Zehn-Finger-Tippen. Die nächste Trainingseinheit ist der Dankbarkeit gewidmet. Erste Maßnahme: Ich möchte der Bloggerin Mara Stix danken, die mich mit ihrer Blogparade zum Thema Dankbarkeit heute auf dieses wunderbare Thema gebracht hat. Danke, Mara!

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